Geschlechtsorgane der Frau: Erkrankungen

Geschlechtsorgane der Frau: Erkrankungen
 
Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane können oft bei der frauenärztlichen Untersuchung (gynäkologische Untersuchung) festgestellt werden.
 
 Gynäkologische Untersuchung
 
Bei der Inspektion der äußeren Geschlechtsorgane achtet der Arzt vor allem auf sichtbare Veränderungen wie Entzündungen oder Geschwüre. Die inneren Geschlechtsorgane werden mit den Händen abgetastet (bimanuelle Palpation). Ein bis zwei Finger werden in die Scheide bis zur Gebärmutter vorgeschoben, die dann nach oben gedrückt wird, sodass Veränderungen von außen zu ertasten sind. Auch Eierstöcke und Eileiter lassen sich so untersuchen. Scheide und Muttermund können mithilfe des Spekulums, eines Instruments, das in die Scheide eingeführt wird, inspiziert werden. Ein Entenschnabelspekulum z. B. wird in der Scheide entfaltet. Mithilfe des Spekulums werden Scheidenwände und Muttermund auf Veränderungen untersucht. Die inneren Geschlechtsorgane können mithilfe der Ultraschalluntersuchung dargestellt werden.
 
 Erkrankungen der Adnexe und Sterilisation
 
Die häufigste Erkrankung von Eierstöcken und Eileitern ist die Adnexitis, eine Entzündung, die meist durch Bakterien oder Chlamydien hervorgerufen wird, die durch die Scheide zu den Adnexen hochgestiegen sind. Die Krankheit äußert sich mit Unterleibsschmerzen, Fieber sowie verändertem Ausfluss (Fluor) aus der Scheide. Die Behandlung, die in der Regel in der Gabe von Antibiotika besteht, sollte rasch erfolgen, da unter Umständen die Eileiter infolge der entzündlichen Prozesse verkleben können und es zu Unfruchtbarkeit kommen kann.
 
Einer Ovarialzyste ist eine mit Sekreten gefüllte, durch eine Kapsel begrenzte Geschwulst, die sich z. B. aus einem Graaf-Follikel entwickeln kann, wenn es wegen eines Hormondefizits nicht zum Eisprung kommt. In vielen Fällen bilden sich die Zysten von selbst zurück. Ist dies nicht der Fall, besteht die Behandlung in der Gabe von Hormonen. Treten Beschwerden auf, muss die Zyste durch einen endoskopischen Eingriff, bei dem ein kleines Instrument durch eine Öffnung in der Bauchdecke eingeführt wird (Laparoskopie), entfernt werden. Krebs der Eierstöcke (Ovarialkarzinom) ruft meistens erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden (u. a. Unterleibsschmerzen) hervor. Bei einem Ovarialkarzinom müssen operativ in der Regel nicht nur die Eierstöcke, sondern auch Eileiter, Gebärmutter, eventuell auch Teile weiterer Organe wie der Harnblase entfernt werden.
 
Eine Sterilisation erfolgt bei der Frau meist unter Vollnarkose meist durch eine Laparoskopie. Dabei werden die Eileiter entweder durch leichte Stromstöße verklebt oder es werden Klammern um die Eileiter gelegt, sodass Eizellen nicht länger durch den Eileiter wandern und befruchtet werden können.
 
 Erkrankungen der Gebärmutter
 
Infolge einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur kommt es vor allem in fortgeschrittenem Alter zum Tiefertreten der Gebärmutter. Im Normalfall liegt die Gebärmutter oberhalb der Scheide, bei einem Abstieg der Gebärmutter rutscht sie in die Scheide hinein und zieht dabei meist auch die Wand der Scheide mit. Dieser Descensus uteri geht oft mit einer Senkung der Harnblase und des Mastdarms einher. Im schlimmsten Fall ist die Gebärmutter so tief getreten, dass ein Teil von ihr, manchmal sogar die vollständige Gebärmutter, sowie ein Teil der Scheide sich nach außen vorstülpen (Uterusprolaps). Die Behandlung besteht bei leichtem Descensus uteri in der Stärkung des Beckenbodens durch Gymnastik; im fortgeschrittenen Stadium muss die Gebärmutter entfernt (Hysterektomie) und der Beckenboden operativ gestärkt werden. Myome zählen zu den gutartigen Geschwülsten der Gebärmutter. Sie gehen von der Muskulatur der Gebärmutter aus und wachsen in der Gebärmutterwand (intramurales Myom), in die Gebärmutterhöhle (submuköses Myom) oder in die Bauchhöhle hinein (subseröses Myom). Unter Umständen verhindern Myome eine Schwangerschaft; manchmal rufen sie Menstruationsbeschwerden hervor. Die Behandlung der Beschwerden besteht in der Gabe von Hormonen bzw. in der Ausschälung der Myome durch Laparoskopie, eventuell in der Entfernung der Gebärmutter.
 
Zu den Uteruskarzinomen zählen das Zervix- und das von der Gebärmutterschleimhaut ausgehende Endometriumkarzinom. Die Behandlung besteht in der Regel in der Entfernung der Gebärmutter, eventuell weiterer umgebender Organe und Lymphknoten sowie oft einer zusätzlichen Strahlentherapie.
 
Wenn sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut in der Bauchhöhle absetzen (Endometriose), kann dies zu Regelbeschwerden oder zu Unterleibsschmerzen führen. Damit die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird, verordnet man in leichten Fällen eine Antibabypille mit hohem Gestagenanteil. Verursacht die Endometriose Unfruchtbarkeit (z. B. weil die Eileiter verkleben), werden die Zellen der Gebärmutterschleimhaut operativ entfernt.

Universal-Lexikon. 2012.

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